Der kanadische Philosoph und Philosophiehistoriker Charles Taylor hat in den Auseinandersetzungen zwischen Kommunitarismus und Liberalismus eine entscheidende Rolle gespielt. Auch wenn er selbst sich verschiedentlich gegen eine solche Zuordnung gewehrt hat, sind grundlegende Übereinstimmungen mit Grundpositionen anderer Kommunitarier schwer zu verkennen. Zentrale Themen seiner Werke sind die Bedingungen eines funktionierenden Gemeinwesens, die Einbindung des Individuums in den größeren Zusammenhang des Sozialen sowie die Ethisierung des öffentlichen Raums. In seinem Hauptwerk Quellen des Selbst versucht Taylor, die für das Selbstverständnis des neuzeitlichen Subjekts konstitutiven moralischen Quellen zu rekonstruieren, deren Leugnung er für charakteristische Fehlentwicklungen der Moderne verantwortlich macht. --- Was heißt es, daß wir heute in einem säkularen Zeitalter leben? Was ist geschehen zwischen 1500 - als Gott noch seinen festen Platz im naturwissenschaftlichen Kosmos, im gesellschaftlichen Gefüge und im Alltag der Menschen hatte - und heute, da der Glaube an Gott, jedenfalls in der westlichen Welt, nur noch eine Option unter vielen ist? Um diesen Wandel zu bestimmen und in seinen Folgen für die gegenwärtige Gesellschaft auszuloten, muß die große Geschichte der Säkularisierung in der nordatlantischen Welt von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart erzählt werden - ein herkulisches Unterfangen, dem sich der kanadische Philosoph Charles Taylor in seinem mit Spannung erwarteten neuen Buch stellt. Mit einem Fokus auf dem »lateinischen Christentum«, dem vorherrschenden Glauben in Europa, rekonstruiert er in geradezu verschwenderischem Detail die entscheidenden Entwicklungslinien in den Naturwissenschaften, der Philosophie, der Staats- und Rechtstheorie und in den Künsten. Dem berühmten Diktum von der wissenschaftlich-technischen »Entzauberung der Welt« und anderen eingeschliffenen Säkularisierungstheorien setzt er die These entgegen, daß es die Religion selbst war, die das Säkulare hervorgebracht hat, und entfaltet eine komplexe Mentalitätsgeschichte des modernen Subjekts, das heute im Niemandsland zwischen Glauben und Atheismus gefangen ist. Ein säkulares Zeitalter ist ein wahrhaft monumentales Buch, das die Entwicklung des religiösen Bewußtseins in der Moderne auf beeindruckende Weise nachzeichnet. Ein klassisches Opus magnum.
Inhalt
Vorwort 9
Einleitung 11
Teil I Reformwerk
1 Bollwerke des Glaubens 51
2 Die Entstehung der disziplinierenden Gesellschaft 160
3 Die große Entbettung 251
4 Soziale Vorstellungsschemata der Neuzeit 275
5 Das Gespenst des Idealismus 365
Teil II Der Wendepunkt
6 Providenzieller Deismus 379
7 Die unpersönliche Ordnung 460
Teil III Der Nova-Effekt
8 Unbehagen an der Moderne 507
9 Der dunkle Abgrund der Zeit 543
10 Das expandierende Universum der Ungläubigkeit 591
11 Entwicklungslinien im neunzehnten Jahrhundert 631
Teil IV Erzählungen von der Säkularisierung
12 Das Zeitalter der Mobilisierung 703
13 Das Zeitalter der Authentizität 788
14 Religion heute 843
Teil V Bedingungen des Glaubens
15 Der immanente Rahmen 899
16 Gegenläufiger Druck 990
17 Dilemmata 1 1028
18 Dilemmata 2 1120
19 Unruhige Fronten der Moderne 1179
20 Bekehrungen 1205
Epilog. Viele Geschichten 1280
Register 1285
http://d-nb.info/1017663343
Verfasser*innenangabe:
Charles Taylor ; aus dem Englischen von Joachim Schulte
Jahr:
2012
Verlag:
Berlin, Suhrkamp
Aufsätze:
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Systematik:
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PH.T
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ISBN:
978-3-518-58580-1
2. ISBN:
3-518-58580-0
Beschreibung:
Wissenschaftliche Sonderausgabe, 1297 Seiten
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Sprache:
Deutsch
Originaltitel:
A secular age
Fußnote:
Hier auch 2., unveränderte Auflage 2020. - Literatur- und Quellenangaben
Mediengruppe:
Buch