Das erste Buch zur Mentalisierungsbasierten Therapie (MBT) in der Depressionsbehandlung -
Die Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) ist ein wirksamer Ansatz bei Patienten mit Schwierigkeiten in der Emotionsregulation. Seit neuestem wird sie auch bei Depressionen erfolgreich angewandt. Dieses Grundlagenbuch verbindet anschaulich Theorie und klinische Anwendung. / Die Autorin stellt zunächst ein integratives Modell der Depressionsgenese aus Sicht der Mentalisierungstheorie vor. Anhand von klinischen Fallbeispielen erläutert sie Schritt für Schritt, wie Mentalisierungsprozesse beeinträchtigt werden und mittels Mentalisierungs basierter Therapie (MBT) wieder hergestellt und gefördert werden können.
Mit dem vorliegenden Buch soll zwischen einer mentalisierungsbasierten Theorie der Depressionen und ihrer klinischen Anwendung eine Brücke geschlagen werden. Im theoretischen Teil wird zunächst auf die Depressionsgenese aus Bindungs- und entwicklungspsychologischen Aspekten eingegangen und die Entwicklung von Theory of Mind (ToM) und Mentalisieren bei Depressiven dargestellt. Dabei wird das Konzept der Dimensionalität von Mentalisierungsprozessen eingeführt, das den dynamischen Aspekt von Mentalisieren auf den folgenden vier Ebenen deutlich macht:
1. Selbst versus Anderer,
2. kognitiv versus affektiv,
3. Außen versus Innen und
4. explizit versus implizit.
Daran anschließend wird vermittelt, wann und wodurch Mentalisieren bei depressiven Patienten unterminiert wird und wie Einbrüche des Mentalisierens im klinischen Material erkennbar sind. Daran anschließend wird auf die behandlungstechnischen Herausforderungen in der Therapie depressiver Patienten eingegangen. Und zwar auf der epidemiologischen Ebene mit der Besonderheit häufiger chronischer Krankheitsverläufe, auf der intrapsychischen Ebene mit Blick auf die Persönlichkeitsstruktur (anaklitische und introjektive Konfiguration nach Blatt) und verzerrte Selbst- und Objektrepräsentanzen , auf negative Kognitionen und die Affektregulation und schließlich die Herausforderungen auf der interpersonellen Ebene.
Im zweiten Teil, der klinischen Anwendung, werden die Modi des Mentalisierens anhand von klinischen Beispielen erläutert, damit der Kliniker zwischen mentalisierendem Modus und den prämentalistischen Modi (Äquivalenzmodus, Als-Ob-Modus und Teleologischer Modus) unterscheiden lernt. Auf diese Grundlagen aufbauend, werden die wesentlichen Prinzipien einer mentalisierungsbasierten Therapie (MBT) vermittelt und erörtert, inwiefern MBT hilfreich sein kann, Einbrüche des Mentalisierens in der Behandlung von Depressiven zu überwinden und mit mentalisierungsfördernden Interventionen Mentalisierungsprozesse wieder anzustoßen und zu vertiefen. Im Buch werden anhand zahlreicher klinischer Vignetten depressionsspezifische Interventionen im Einzel- und Gruppensetting vorgestellt, die dem Behandelnder ein Repertoire an Interventionsmöglichkeiten aufzeigen sollen, wenn der therapeutische Prozess durch Einbrüche des Mentalisierens droht, in einer Sackgasse zu münden.
Inhalt
Danksagung............................................................................... 9
Einleitung.................................................................................. 10
1 Grundlagen........................................................................... 24
1.1 Psychodynamische Konzepte von Depression............. 24
1.2 Epidemiologie und Verlauf............................................ 28
1.3 Diagnostik und Subgruppen.......................................... 35
ICD-10 und DSM-V.................................................... 35
Ein dimensionales Krankheitsverständnis -
am Beispiel von Blatts Depressionsmodell................... 39
Die Borderline-Depression - »when depression
is not just depression«.................................................. 41
Peripartale Depressionen............................................. 48
1.4 Neuropsychologische und neurobiologische Aspekte... 62
Das Wechselspiel von Depression und Kognition...... 64
Trauma und Neurobiologie: die Relevanz der
Amygdala für depressive Störungen............................. 70
Neuropsychodynamische Überlegungen zur Störung
des Selbstbezugs........................................................... 73
1.5 Zusammenfassende Bemerkungen................................ 75
2 Grundlagen eines mentalisierungsbasierten Modells
der Psychopathologie......................................................... 78
2.1 Was ist Mentalisieren?................................................. 78
2.2 Wie entwickelt sich Mentalisieren?.............................. 84
Die frühe Interaktion................................................... 84
Störungen der frühen Interaktion................................ 90
2.3 Affektregulation und mentalisierte Affektivität........... 96
2.4 Von prämentalistischen Modi zum Mentalisieren........ 99
Teleologischer Modus.................................................. 100
Äquivalenzmodus........................................................ 102
Als-ob-Modus.............................................................. 103
2.5 Dimensionen des Mentalisierens und ihre neurobiologischen Grundlagen............................................... 104
Explizites versus implizites (automatisches)
Mentalisieren ............................................................... 107
Kognitives versus affektives Mentalisieren.................. 111
Mentalisieren des Selbst und des Anderen................... 113
Mentalisieren von innen nach außen........................... 120
2.6 Mentalisieren im Kontext von Bindung und Arousal 122
Sichere Bindungsstrategien.......................................... 123
Bindungsaktivierende Strategien................................. 124
Bindungsvermeidende Strategien................................ 125
Desorganisierte Bindung.............................................. 126
2.7 Wie kann Mentalisieren klinisch gemessen werden?....126
Das mentalisierungsbasierte Erstgespräch................... 128
Erstellen eines Mentalisierungsprofils......................... 129
Woran lässt sich Mentalisieren erkennen?.................... 131
3 Ein mentalisierungsbasiertes Modell
der Depressionsgenese.........................................................134
3.1 Bindung, Affektregulation und Mentalisieren
bei Depression............................................................... 141
Das abwesende Objekt................................................. 141
Die besondere Bedeutung des Blicks bei Depressionen 143
Unsichere Bindung und Depression............................ 144
3.2 Mentalizing the body -
Depression als Psychosomatose..................................... 147
Alexithymie und Depressionen.................................... 149
Verlust des Mentalisierens und konkretistische
Körpersymptome......................................................... 150
3.3 Depressionsspezifische Störungen des Mentalisierens.. 153
Hypomentalisieren...................................................... 154
Hypermentalisieren..................................................... 154
Auftreten von prämentalistischen Modi
des Mentalisierens........................................................ 155
Zwanghaftes Grübeln als dysfunktionales
Mentalisieren................................................................ 163
3.4 Die suizidale Krise als Zusammenbruch
des Mentalisierens..........................................................165
Mentalisierungsbasierte Interventionen in
suizidalen Krisen.......................................................... 169
3.5 Psychopharmakotherapie und Mentalisieren................ 173
4 Wesentliche Prinzipien mentalisierungsbasierter
Interventionen bei Depressionen.......................................180
4.1 MBT versus mentalisierungsbasierte Interventionen.... 184
4.2 Die Säulen der mentalisierungsbasierten Therapie...... 186
4.3 Die therapeutische Grundhaltung................................. 187
Nicht wissende Haltung............................................... 187
Affektfokussierte Fragetechnik.................................... 188
Anerkennende Haltung................................................ 188
Herausfordernde Haltung (»challenging«).................... 188
Der Therapeut als Modell............................................. 189
Kontinuierlicher Fokus auf Mentalisieren und
emotionales Arousal.................................................... 190
4.4 Mentalisierungsfördernde Interventionen.................... 191
Selbst-Mitteilungen (»seif disclosure«) des
Therapeuten................................................................. 192
Besonderheiten und Unterschiede im Vergleich
zu psychodynamischen Verfahren............................... 193
Mentalisieren der Übertragung und
Gegenübertragung....................................................... 195
4.5 Eine mentalisierungsbasierte Therapie
für Depressionen........................................................... 198
5 Forschungsüberblick............................................................ 203
6 Ausblick..................................................................................208
Literatur.....................................................................................210
Die Autorin 230